Die Lehre Autobiografie, Inhalt: Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Foto 1 Foto 2 Foto 3 Foto 4


KAPITEL  V


FAMILIENLEBEN  IM  PORTUGIESISCHEN  OSTAFRIKA

Das Jahr 1911 war für mich eine ereignisreiche Zeit. Am 10. Januar fand unsere Hochzeit statt, am 5 April wurde ich einundzwanzig und am 18. Dezember brachte ich meine Tochter Elisabeth zur Welt (2). Muriel heiratete sechs Wochen vor mir in Johannesburg. Sie wollte keine Doppelhochzeit. Demzufolge war ich zuerst ihre Brautführerin und genoss alle Freuden einer grossen Hochzeit, aber für uns selber zogen wir eine ruhige Hochzeit vor. Wir heirateten in der alleinigen Anwesenheit meiner Familie im Konsulat in Port Melville.

     Es war einfacher und weniger ermüdend in der sommerlichen Hitze nach Swaziland zu reisen, wohin uns unsere Hochzeitsreise führte. Sir Robert Corryndon, ein langjähriger Freund von Anthony, erlaubte uns im kleinen Häuschen zu wohnen, das zur Residenz in Mbabane gehörte. Es war eine schwierige Reise aber für uns war es der Mühe wert, verglichen mit einer traditionellen Hochzeitsreise, die in einem grossen Hotel an der Küste enden würde.

     Zu guter Letzt offerierte uns der portugiesische Gouverneur, General Andrade, seinen privaten Eisenbahnwagen, komplett mit Küche und Koch und gewann dadurch unsere bleibende Dankbarkeit. Dieser wurde dem Postzug angehängt und irgendwann in der Nacht abgekoppelt, wo er an unserer Endstation auf ein Nebengleis geschoben wurde. Am nächsten Tag ging es auf eine weniger luxuriöse Art weiter, die für mich jedoch nicht weniger anregend war. Major Maxwell holte uns mit einer Kutsche ab, die von acht Maultieren gezogen wurde. Jene Nacht verbrachten wir in einem äusserst primitiven Hotel, an das ich mich hauptsächlich wegen einem peinlichen Zwischenfall erinnern kann. Als wir dort ankamen, brachte mir die Dame des Hauses netterweise eine Tasse Tee ins Zimmer. Unglück-licherweise jedoch, war die Milch sauer und schwamm in grossen Fetzen an der Oberfläche. Ich konnte ihn nicht trinken, wollte ihn aber dennoch nicht zurücklassen, um nicht als undankbar zu erscheinen. Anthony löste das Problem, indem er den Tee in die Blumenkiste auf dem Fenstersims goss. Da es geregnet hatte, konnte die durchtränkte Erde keine weitere Feuchtigkeit aufnehmen. Über unsere Notlage lachend löffelte ich das Wasser aus dem Kistchen und warf es auf die Wiese hinaus. Am nächsten Tag hielt uns ein überschwemmender Fluss beinahe um eine weitere Nacht auf, aber unser Gastgeber kam mit einem Ponygespann zu unserer Rettung, auf welchem ein Segeltuchboot festgebunden war. Auf diese Weise erreichten wir Mbabane zum Nachtessen.

     Es gibt eine Sache, die mir immer Freude bereiten kann, und das ist, in aller Gemütlichkeit durch die Landschaft zu fahren, im besonderen, wenn ich diese noch nicht gesehen habe. Demzufolge war für mich die ganze Reise ein Genuss. Es war ein erfreulicher Monat, in welchem vor allem die Gegend ausgekundschaftet wurde. Nach dem Frühstück erhielten wir das eingepackte Mittagessen, und ritten für den Tag auf zwei Ponys weg, um müde aber zufrieden zu einem heissen Bad und frischen Kleidern zurückzukehren. Dann gingen wir zum Nachtessen hinüber in die Residenz. Wir setzten uns an einen weiten hochpolierten Tisch, der nur von Matten bedeckt war und somit den Glanz des Silbers und der Gläser widerspiegelte, was dazumal die neue Mode war.. Nachher sassen wir gemütlich in bequemen Stühlen und Anthony regte Sir Robert zum Erzählen an. Er war ein Mann der, wie ich glaube, zwei nicht oft kombinierte Eigenschaften hatte, denn er war ein tatkräftiger Mann, der auch die Gabe des Erzählens besass. Er führte ein aussergewöhnliches und interessantes Leben, und seine Berichte liessen die Zuhörer das Verstreichen der Zeit vergessen. Anthony selbst war kein brillianter Gesprächspartner, jedoch verstand er es, die anderen zum Sprechen anzuregen, was, wie ich glaube, die Eigenschaft eines guten Gastgebers ist.

     Mbabane liegt in den Hügeln der zerklüfteten Gegend zwischen dem hohen Grasland und dem Busch-Grasland und besitzt den für Afrika unüblichen Charme des fliessenden Gewässers. Vom Berg aus hat man eine prächtige Aussicht hinunter in das Grasland. Als wir dort waren, blühten die blauen Agapantha Lilien, die zusammen mit weinfarbigen Watsonien wuchsen und den Baumfarnen, die in allen geschützten Ecken zu finden sind.

     Ein oder zwei Jahre nach unserer Hochzeit zogen wir in ein grösseres Haus, mitten in einem hektargrossen Garten, der auch einen Tennisplatz und eine Art Rosengarten enthielt. Jede Rose war in einer Wanne gezüchtet, zirka hundertfünfzig, wobei jede, wegen den weissen Ameisen, auf Beton stand. Der Boden war hauptsächlich mit blühenden Bäumen oder Büschen bedeckt. Im Sommer blühten die Kannas wild durcheinander, und im Winter konnten wir englische Blumen haben, wie zum Beispiel die Löwenmäulchen, Eisenkraut und Rittersporn, und das ganze Jahr durch blühten massenhaft Nelken, welche geschnitten werden konnten.

     Ich glaube Port Melville war im guten Mittel, zwischen dem rastlosen Trubel des Soziallebens von Johannesburg und dem isolierten Leben auf den meisten Farmen Südafrikas. Ich fand die Portugiesen interessant und vor allem die Frauen angenehm, und im Vergleich zu uns gebildet, was die Sprachen anbelangt. Alle die ich kannte, sprachen neben ihrer ursprünglichen Sprache zusätzlich englisch oder französisch oder sogar beides. Sie sagten ich sei 'muinto sympatico', was sie als unübersetzbar erklärten, aber ich denke es bedeutete nur, dass ich sie mochte und mit ihnen gut auskam. Während den frühen Jahren unserer Ehe war die englische Kolonie klein, mit einem Übergewicht an Männern wie, was ich annehme, im frühen rhodesischen Leben, aber zusätzlich gab es hier eine kosmopolitische Gruppe, die aus Konsuln, Repräsentanten von Frankreich, Deutschland, Amerika und Italien bestand. Bis zu unserem Wegzug wuchs die Bevölkerung stark an, und indem sie sich vergrösserte, schien sie mir banaler und stumpfer zu werden. Früher arbeiteten die Angestellten der Gäste bei Einladungen im Haus des Einladenden mit, vor allem wenn es sich um einen Junggesellen handelte, und alles, vom Fischtopf bis zum Silberbesteck wurde für diese Gelegenheit ausgeliehen. In jenen Tagen fuhr Anthony fort, die Leute in seiner alten Junggesellenart zu unterhalten, und ich war normalerweise die einzige anwesende Frau. Nach dem Abendessen, wenn die absichtlich weiblich gehaltene Konversation vorbei war, glitten sie, meine Gegenwart beinahe vergessend, immer mehr in die männlichen Diskussionsthemen ab. Ich genoss es, und es bildetet einen grossen Teil meiner Erwachsenenbildung. Es half mir auch, mich an mein neues Leben anzupassen.

     Meine Aufgaben im Haushalt waren gering. Nach dem Frühstück, das dem Hausherr, der Herrin, und den Gästen getrennt serviert wurde, was meiner Meinung nach eine sehr zivilisierte Sitte ist, musste ich mich um die Blumen kümmern. In Folge der Hitze war das beinahe während dem ganzen Jahr eine tägliche Arbeit, und die Rosen und Nelken mussten früh geschnitten werden. Ich liebte meine anderen Verpflichtungen nicht sehr, die darin bestanden, dem goanesischen Koch von Zeit zu Zeit meine Unzufriedenheit und Missbilligung vorzuspielen, da sonst die dauernd ansteigenden Unkosten zu sehr in die Höhe geschnellt wären. Während dieser Prozedur schaute er so geplagt und unverstanden drein, und ich hasste diese regelmässig wiederkehrende Kontrolle. Meine Stärke war Moses, unser suaheli Vorsteher. Er arbeitete schon seit zwölf Jahren für Anthony, und jedermann sagte voraus, dass er kündigen werde, falls Anthony sich verheiraten würde.. Vielleicht half mein Mangel an Interesse am Haushalt. Ich war nicht in der Lage Anweisungen zu geben und war nur zu froh, geführt zu werden, was er auch in einer äusserst respektvollen und sanften Weise tat. Der liebe Moses war einer der edelsten Menschen, die ich je kannte und seine Hautfarbe hatte auf mich nicht den geringsten Einfluss. Wir wagten es nie mit Worten ausserhalb den konventionellen Schranken zwischen Diener und Herrin zu verkehren, aber im Verstehen kannte ich niemanden, mit einem so schnellen intuitiven Auffassungsvermögen. Wir hatten acht Angestellte, wobei einzig Antoine eine ebenso ungewöhnliche Persönlichkeit besass. Als Hauptgärtner war er auch mit der Betreuung des Autos beauftragt. Er war sehr intelligent und lernte alles Neue sehr schnell. Er kam immer mit uns, um beim Zelten zu kochen, aber ich war mit ihm nicht sehr glücklich. Die meisten Eingeborenen hatten einen fröhlichen Charakter, er aber war melancholisch. Er war der einzige Schwarze, den ich kennen lernte, der gegen die Schranken anzurennen schien, die seine Hautfarbe ihm aufsetzte. Er war während der Arbeit fleissig, jedoch betrübt in der Freizeit und niemand konnte etwas tun, um ihm zu helfen.

     Anthony hielt die Stellung als Agent der Unions-Regierung von Südafrika. Während den vielen Unterbrüchen, zwischen dem Abreisen und dem Ankommen der Generalkonsuln, handelte er auch als ehrenamtlicher britischer Konsul. Während einem grossen Teil des Krieges in 1914, hatte er auch das Amt als ausführender Generalkonsul. Durch seine Position lernten wir eine Vielfalt von Leuten kennen. Besucher der Union kehrten oft über die Ostküste zurück. Wir hatten einmal die Frau Hon. Ronnie Grenville zu Besuch, und bis weit in die Nacht hinein, hörten wir voller Spannung ihren Sketchen und Anekdoten über bekannte Persönlichkeiten zu, die sie kunstvoll als menschliche Gestalten hinstellte, die in den Biographien nicht zu finden sind.. Ich hoffe, unsere gefesselte Faszination entschädigte sie. Sie war so zuvorkommend mit uns. Gelegentlich kehrten vorbeireisende königliche Personen bei uns ein. Prinz Arthur von Connaught kam, nachdem er den Posten als Generalgouverneur der Union aufgab, und Prinzessin Marie Louise schenkte ich meine Muscheln, die ich in Inhaca gesammelt hatte. Wie ihr Stallmeister mich gesegnet haben muss! Wir hatten auch Mark Hambourg, the Roman Singers, Allan Cobham, Allister Miller, Herr Buckle, einer der Autoren von 'The Times' und immer die Admirale und Kapitäne des Kap-Schwadrons auf ihrer jährlichen Fahrt an der Ost-Küste hoch, ein Ereignis über das sich jeder erfreute. Auch dürfen wir unseren Freund und einzigen Hochzeitsgast nicht vergessen, der im Konsulat lebte, als wir heirateten, Colonel Stevenson Hamilton, der charmante Aufseher des Sabi Game Reservates, das Dank seiner Hingabe zum Kruger Nationalpark wurde, und andere Leute, vielleicht nicht so erhoben, aber nicht weniger interessant.

     Zwischen diesen Anstürmen der Unterhaltung lag die andere Seite unseres Lebens in Port Melville, die ruhigen Wochen, in denen wir uns mit unseren lokalen Freunden, unseren Kindern, dem Hund und dem Garten befassten.

     Während den Wintermonaten organisierten wir normalerweise einen Jagdausflug. Der längste und spannendste war, als wir die drei Kinder bei ihren Grosseltern oder Freunden zurückliessen und für zwei Monate Gäste von Senor Riposa waren, welcher Manager und Teilhaber der Senna Sugar Estates mit drei Plantagen am Ufer des Zambesi war. Wir fuhren in ihrem Küstenfrachtdampfer, dem Waterbuck, so weit hoch bis wir Chinde erreichten. Es war das einzige Mal, dass ich mich frei auf dem Steuerdeck herumbewegen durfte. Einmal, als ich die Umgebung betrachtete, war ich äusserst erstaunt über die Aussage des Kapitäns, dass wir uns bereits 50 Meilen Inland befinden würden. In Chinde wechselten wir auf einen Flussdampfer und erneut war ich entzückt, eine neue Landschaft zu sehen.

     Zuerst gingen wir zu Herrn Riposas Haus in Mopea, einem kleinen abgeschlossenen Dorf, mit einer eigenen Bibliothek, Läden und Schwimmbad. Es war komisch in solchem Luxus zu leben, umgeben von hunderten von Meilen unberührter Landschaft. Von dort aus machten wir kreisförmige Jagdausflüge, sehr interessant, aber nicht aussergewöhnlich, abgesehen von der Vorzüglichkeit von Anthonis Jagdhelfer. Ich ging einmal mit ihm, um sie bei der Arbeit zu beobachten. Einige Wasserböcke ästen ruhig in der Mitte eines kleinen Dambo, ein grasiger Sumpf, der im Winter trocken ist. Es gab keine Schutzmöglichkeit oder Deckung. Ksumbo verliess sich lediglich auf sein Wissen, dass die Böcke ein unbewegliches Objekt kaum beachten würden, und sein kunstvolles Vorausahnen des Moments, in welchem die Böcke ihren Kopf heben würden. Alles was wir tun mussten, war in einer Linie hinter ihm herzu gehen, um im selben Moment wie er zu stoppen, ohne die geringste Bewegung zu machen. Er führte uns in meine Schussweite, hundert oder hundertzwanzig Meter, dann, nachdem wir sie beobachtet hatten, separierten wir uns, da wir sie nicht schiessen wollten. Augenblicklich waren sie in einer Staubwolke verschwunden.

     Unser zweiter Ausflug war, an und für sich, eine ausserordentlich Reise. Wir fuhren in einem Hausboot den Zambesi hoch, das unter der Aufsicht von Herrn Rebello, einem freundlichen und herzlichen Kommandanten stand und dessen Ansicht über das Jagen der unseren diametral gegenüberstand. Anthony schoss nur, wenn wir Fleisch brauchten, abgesehen von einer speziellen Beute, die er zu erledigen beabsichtigte. Das war ein altes männliches Tier mit besonders grossen Hörnern oder natürlich ein grosses Wild irgendwelcher Art. Am Ende einer morgendlichen Jagd kam Rebello jeweils, sich höfliche beklagend zurück, wobei Anthony völlig zufrieden war, wenn er nichts, ausser einem guten Zobel oder Kudu erlegt hatte. Dann erzählte Rebello gewöhnlich von seinen eigenen Jagderlebnissen, indem er die Hände rieb und ausrief "muinto sang". Selbst wenn er einen Elefanten erlegen wollte und vorher an einen Duiker geriet, zweifle ich, ob er diesem widerstehen konnte. Seine Vorstellung einer guten Morgenjagd lag lediglich in der Anzahl der erlegten Tiere. Davon abgesehen war er ein entzückender Gastgeber mit der glückseligen Natur eines Kindes. Er hatte eine hervorragende und geschickte Mannschaft von zweiundzwanzig Männern, zehn Ruderer, oder falls notwendig Stachler, fünf auf jeder Seite, hinter und vor der zentralen Kabine, einen am Ruder und einen als Späher am Bug. Alle hatten einen guten Körperbau und trugen einen roten Fes als auch ein blaues Lendentuch, das von einem breiten hoch polierten Gürtel mit einer leuchtenden Kupferschnalle gehalten war.

     Während dem Paddeln sangen sie, und es war faszinierend ihnen zuzuhören. Ich schrieb eine der Mollmelodien, die wir besonders mochten, auf. Es waren kurze Refrains, die sie alle gemeinsam sangen, während einer von ihnen, der Solosänger, eine darüber- oder darunterliegende Melodie bildete, wie ein wanderndes Rezitativ. Am Ende des Refrains fuhr er für ein Weilchen alleine fort, und alle zusammen stimmten dann wieder ein in die kurze traurige Melodie, und so fort, und so fort.

     Es war sehr friedlich und lieblich. Während der Nacht ankerten wir das Schiff bei einer Insel oder einer Sandbank, manchmal früh genug für eine Abendjagd, jedoch eher beim Sonnenuntergang, so dass nur noch Zeit für das Nachtessen blieb, bevor wir uns zum Schlafen niederlegten. Vor dem Tagesanbruch ging es weiter auf die Morgenjagd, um gegen zehn wieder zurück auf dem Boot zu sein, bevor die grimmige Hitze einsetzte. Was für ein Luxus es für uns war, sich im Schatten mit einem kühlen Getränk auszuruhen, obwohl ich unter Anthonys Disziplin vor dem Absitzen, zuerst einen heissen Tee trinken, ein heisses Bad nehmen und die Kleider wechseln musste. Man musste mich nur einmal dazu überreden, bis ich wusste, dass es den Aufwand wert war. Es ist eine gute Angewohnheit.

     Wir fuhren weiter, bis wir an der Lupato Schlucht ankamen, wo der Zambesi sich in einen felsigen Durchgang verengt, ein sehr eindrucksvolles Bild. Hier hielten wie an, und bald nachher gingen wir zu Fuss ins Nyasaland. Merkwürdigerweise kann ich mich an nichts mehr von diesem Ausflug erinnern, ausser dass wir einige Kapokbäume sahen. Hoch, eher kahl mit rechtwinklig seltsam abstehenden Ästen, zwei abwechselnd gegen Norden und Süden zeigend mit dem nächsten Paar nach Osten und Westen gerichtet. Der Inhalt ihrer Hülsen besteht aus einer weichen Daune, die gesammelt wurde, um Kissen und Matratzen zu füllen.

     Unser dritter und letzter Jagdausflug war flussabwärts von Mopea. Dort hatte ich am letzten Tag das Glück, einen Büffel selbst zu schiessen. Ich habe solche Tiere erst zweimal gesehen, einmal auf der gleichen Reiseroute, als ich in einer Machilla ritt, einer Hängematte an Stangen, die von vier Schwarzen getragen wurde. Ich mochte diese Art zu reisen nicht, aber ich litt zu jener Zeit an einem leichten Malariaanfall. Plötzlich sagten meine Träger, dass Büffel in der Nähe seien. Ich stolperte aus meiner Machilla und kroch auf einen grossen Ameisenhaufen. Von dort sah ich den uns beobachtenden Büffel, der etwa hundert Meter entfernt war. Ich schoss auf ihn, verpasste ihn jedoch und er trampelte davon.

     Die andere Gelegenheit war, während wir mit Rebello auf eine Reise flussaufwärts gingen, und ich war ein passiver Teilnehmer an diesem gefährlichen Abenteuer. Anthony stiess eines Tages spät auf die Fährte einer kleinen Büffelherde und entschloss sich, sie am nächsten Tag zu jagen. Da ich zu jener Zeit noch nie Büffel gesehen hatte, bat ich ihn mich mitzunehmen, und zwar als Zuschauer und nicht, um selbst irgend etwas zu erlegen.

     Wir gelangten auf eine kleine Lichtung, die nicht grösser als ein Zimmer und von dichtem Busch umgeben war. Unser Spurenleser hielt plötzlich an und zeigte auf etwas. Anthony stellte sich sofort neben ihn. Obwohl ich dicht dahinter stand, konnte ich nichts sehen. Langsam erhob er sein Gewehr und feuerte. Augenblicklich gab es ein fürchterliches Gekrach, als sich die Herde erhob und davonrannte. Dann kam aus dem abklingenden Durcheinander ein geringeres Geräusch, das sich nicht verringerte, sondern in direkter Linie auf uns zusteuerte, und ich schaute auf und sah zwei riesige Bullen durch den Busch rennen, als ob er aus Papier bestände. Ihre Nüstern waren geblüstert und die Hörner zurückgelegt, als sie nicht direkt, sondern quer auf uns zu rannten, und ich realisierte, dass sie zu ihrer eigenen Spur zurückkehrten, auf welcher wir standen.

     Was folgte dauerte höchstens einige Minuten. Als ich hinter Anthony hervor trat, hob ich das Gewehr, um zu zielen, aber augenblicklich entschloss ich mich nicht abzudrücken, da ich durch einen so nahen Schuss seinen Plan vereiteln könnte, so wartete ich bis ich zuerst seinen Schuss hören würde. Ich wartete vergebens. Ich erinnere mich an den folgenden Gedanken, der durch meinen Kopf schoss: "Hmmm, sie wusste es nicht, aber Mutter hatte recht." Sie hatte uns scherzend angefleht, vorsichtig zu sein, damit sie nicht mit drei Waisenkindern zurückgelassen würde. Dann sah ich die beiden Tiere so nahe an mir vorbeiflitzten, dass ich sie anscheinend mit meinem ausgestreckten Arm hätte berühren können. Es war mir möglich die nassen Lehmklumpen zu sehen, die aus dem Haar an ihrer Seite hervorschauten. Dann verebbte der Lärm ihres Vorüberziehens.

     Was geschah war für uns reinstes Glück, da wir alle drei, Anthony, der Fährtenleser und ich, praktisch bewegungslos geblieben waren. Die anderen, unbewaffneten Schwarzen waren so klug gewesen, um auf die Bäume zu steigen oder sich bei den ersten Anzeichen davonzumachen. Anthony hatte Probleme mit dem Verschluss seines Doppelläufers, da er anstelle seines eigenen Repetiergewehrs eine ihm gelehnte, unbekannt Waffe bei sich hatte. Es war ein grosses Glück, dass das unverwundete Tier vorausrannte und sich, als es uns sah, zur Seite wandte, was für unverletzte Tiere normal ist. Gnädigerweise folgte das verwundete Tier dem unverletzten, während es seinen Kopf, als sie vorbeirasten, in die Schulter des andern drückte. Alles ging so schnell. Kein Schuss hätte sie stoppen können bevor sie bei uns waren. Falls Anthony geschossen hätte, hätten wir es mit zwei verwundeten Büffeln zu tun gehabt, die auf dieser kleinen Fläche herumgetobt wären, auch wenn unser zweiter Schuss tödlich ausgefallen wäre.

     Das erste was Anthony sagte, als er sich umdrehte und mich neben ihm stehen sah: "Grosser Gott, was, Du bist hier? Du hättest Dich hinter den Bäumen verstecken sollen!" und dann im selben Atemzug gratulierte er mir, dass ich nicht weggerannt bin. Ich wehrte beides ab, Lob und Vorwurf, und teilte ihm mit, dass ich keine Zeit hatte, an etwas zu denken, ausser, ob ich schiessen, oder vorerst seinen Schuss abwarten solle. Die anderen Schwarzen schlossen sich nun uns an und wir hielten Kriegsrat. Sie sagten, der zweite Bulle hätte vom ersten Schuss Anthonys ein gebrochenes Bein, und sie bestanden darauf, dass es eine Verrücktheit wäre, in diesem dichten Busch weiter zu jagen, und um ihr Argument zu unterstützen erzählten sie, wie ein Jäger, ein portugiesisches Halbblut, beim Jagen der gleichen Herde sein Leben verlor, und wie er zu Papiermache in den Boden getrampelt wurde. Er wurde nicht nur hochgeworfen, sondern auch zertrampelt. Was dagegen sprach war Anthonys Jagdprinzip, ein verwundetes Tier nicht zurückzulassen, aber wir waren bereits weit weg vom Lager und die Hitze begann einzusetzen. Er band ein Nastuch an einen Baum, so dass am nächsten Tag die Fährte wiederaufgenommen werden konnte. Ich hatte leichte Schwierigkeiten ihn zu überzeugen die Angelegenheit gemeinsam zu erledigen. Er war gerecht in solchen Entscheidungen, und nach meinem Versprechen, mich im Falle von Gefahr hinter einen Baum zu verbergen, war er zufriedengestellt.

     Der Gang des nächsten Tages war interessant und ein aufregendes Beispiel des Geschicks und der Klugheit eines verwundeten Büffels, der seine Verfolgung befürchtete. Wir zogen nur mit unserem Spurenleser des vergangenen Tages los, instruierten aber sechs andere, uns in einer Stunde nach zu folgen, um das Fleisch heimzutragen. Wir waren bereits zwei Stunden auf seiner Spur, als wir beim Aufschauen die sechs Träger sahen, die eigentlich hinter uns sein sollten. Ein leicht angeregtes Wortgefecht zwischen ihnen und dem Spurenleser zeigte, dass sie den Anweisungen Folge leisteten und uns einen Vorsprung von einer Stunde gaben. Es war der Büffel, der einen unglaublichen Kreis beschrieb und auf seinen ursprünglichen Pfad zurückgekommen war, um zu sehen, ob er verfolgt wurde. Bald danach kamen wir zur Stelle, wo er die Nacht verbrachte. Sie wurde mit Sorgfalt ausgewählt, da seine Spur an ziemlich niedrigen Dornbüschen vorbeiführte, und erst als wir beinahe an ihr vorbei waren, sahen wir eine tiefe Nische, von welcher er zuerst nach Verfolgern Ausschau hielt, bevor er sich niederlegte, um auszuruhen. Unser Spurenleser zeigte uns, wie der Büffel Mühe hatte wieder aufzustehen und bemerkte, dass er höchst wahrscheinlich Wasser suchen gegangen sei. Es dauerte wirklich nicht lange, bis wir ihn fanden, glücklicherweise an einer Stelle, an welcher der Busch abgebrannt und demzufolge etwas offener war. Er hatte sich umgedreht und schaute gegen uns, als ein sorgfältiger Schuss Anthonys ihn von seinem Elend erlöste und unser Abenteuer beendete.

     Mein eigener Erfolg an diesem letzten Tag war eine einfache Sache. Wir sahen erneut zwei einsame Bullen. Ich sah nie etwas anderes, obwohl Anthony einmal das Vergnügen hatte, sich einer grossen Herde anzuschleichen, die er im Feldstecher beobachten konnte und wo er selbst Muttertiere mit ihren Kälbern sah. Das war am Tag, als ich mit Malaria im Lager ankam, und er wollte nicht, dass ich nochmals das Lager verlasse. Er zeigte mir einen grossen Baum, den ich besteigen konnte um zuzuschauen. Ich hörte seinen Schuss, aber alles was ich sehen konnte, war eine dichte Wolke von weissen aufflatternden Zeckenvögeln und eine graue, im Staub verschwindende Masse. Diesmal sah ich ebenso wie sich zwei oder drei Zeckenvögel von den beiden Bullen erhoben, als sie gemächlich wegtrotteten. Ich dachte, dass mein Glück abgeklungen sei, aber mein Gehilfe signalisierte mir, dass sie uns nicht gesehen hätten und stillstanden. Ich sah, dass sie in einem Halbkreis um uns herumgingen. Dann stand einer still. Ich zielte und feuerte. Er sackte zusammen und in meiner Aufregung rannte ich vorwärts, alles vergessend ausser der Notwendigkeit ihn zu beenden, als mein Gehilfe meinen Arm ergriff. Ich schaute warum und sah, wie der Bulle versuchte sich zu erheben und wie der zweite Bulle zu ihm zurückkehrte. Da er sich aber nicht mehr erheben konnte, machte sich sein Freund aus dem Staube. Ich ging dann etwas näher und schoss erneut. Er hob seinen Kopf, brüllte einmal und starb, mitten durchs Herz geschossen. Ich war erleichtert, denn Büffel brauchen manchmal viele Schüsse, um schnell erlegt zu werden. Ich feilschte mit mir selbst, dass er bereits ein einsamer Bulle gewesen sein musste, der von der Herde ausgestossen war und der möglicherweise, wenn er noch älter geworden wäre, hätte Hungers sterben müssen, oder eher zum Opfer eines Löwen geworden wäre. Ich liebte das Lagerleben, die Spannung, nie zu wissen was man als nächstes zu sehen bekommt und die vielen Eindrücke, die ich von der Tierwelt, das Jagen ausgenommen, erhielt. Wenn ich nochmals jung wäre und dieselbe Gelegenheit hätte, würde ich das Gewehr mit der Kamera vertauschen.

Foto 3 : Kath auf der Jagd in Südafrika.

ANMERKUNG:

(2) Später gebar Kath einen Sohn (Michael) und eine zweite Tochter (Susanne). zurück zu Text.


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