Die Lehre Autobiografie, Inhalt: Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Foto 1 Foto 2 Foto 3 Foto 4


KAPITEL  IX


 DAS  INTERVALL,   DIE  GESCHICHTE  VON   BERUNA   UND  MEINE  EINWEIHUNG  

Frau Scott und Herr Bodley wollten beide mit den Sitzungen weiterfahren, und in der Zwischenzeit, zwischen dem ersten und zweiten Kreis, gab es eine Periode, während welcher wir uns in Abständen beim einen oder anderen zu Hause trafen. In dieser Zeit kam Nicholas, der älteste Sohn der Bodley Familie, während seinem Urlaub nach Hause. Ich hörte von seiner Mutter viel über ihn. Sie war mit gutem Grund auf seinen Erfolg in der Marine stolz. Er war das Idol seiner Familie, mit der ich eine herzliche Beziehung aufgebaut hatte. Ich selbst war von seiner Ankunft eher beängstigt, da ich irgendwie einen jungen verwöhnten Mann erwartete, der mir meine Stellung, die ich als Fremde im Familienkreis gewann, hätte missgönnen können. Er war zwanzig Jahre jünger als ich, und ich dachte mir, dass das auch eine geistig schwierig zu überbrückende Barriere sein könnte. Meine Sorgen erwiesen sich als unberechtigt. Bei unserer ersten Begegnung, bei welcher ich in der Küche beim Abwaschen half, und mit ihm, er auf dem Tisch sitzend, schwatzte, schien es die natürlichste Sache der Welt, sich zu mögen und Freunde zu werden.

     Mit der Zeit hatten er, als auch sein Vater mit der Entwicklung und der Weiterführung der LEHRE mehr zu tun, als jeder andere. Diese Tatsache war in seinem Fall um so seltsamer, auf Grund der unvermeidlichen Zeitabstände, meistens Jahre, zwischen welchen wir uns trafen. Dieses Hindernis wurde dank einer regelmässigen Korrespondenz überwältigt, welche sich zwischen uns entwickelte und in der ich mich, für mich ungewöhnlich frei gab. Niemandem sonst gegenüber konnte ich meine Hemmungen so selbstverständlich abstreifen, während ich ebenso seine eigene Offenheit mit Takt und Spass annehmen konnte.

     Ich glaube, dass beide, er und sein Vater die LEHRE ohne Schwierigkeiten annahmen, aber ihre Ansichten darüber waren verschieden. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich John nach-schleppen müsse, und dennoch, wenn ich wirklich Hilfe brauchte, war ich überrascht, dass er mich völlig verstehen konnte. Es war einzig seiner starrköpfigen Entschlossenheit zu verdanken, dass das Unternehmen aufrechterhalten wurde. Es gab einen Punkt in seiner Geisteshaltung, den ich lächerlich fand und welchen er bis zu seinem Lebensende beibehielt. Er wünschte immer, dass ihm ausdrücklich persönliche Ratschläge gegeben würden, obwohl er genau wusste, dass so etwas nicht gegeben werden kann. Ich wusste, dass ich das für ihn nicht erreichen konnte, eine Tatsache die mir, infolge der Natur der LEHRE, als völlig offensichtlich erschien, aber manchmal war es bedrückend, der Kanal für die Absagen zu sein.

     Andererseits verstand Nicholas, auf der Stelle und von Anfang an, was auch immer in Erfahrung gebracht wurde. Einmal sagte er zu mir: "Es scheint mir nichts Neues zu sein, sondern eher als ob es etwas ist, an was ich mich erinnern vermag." Er war nie erstaunt. John war jedoch einmal recht schockiert, als er dachte ich sei mit Arrantees am Argumentieren. Ich glaube es war, als die Identität Arrantees offenbart wurde, und ohne die Zeit gehabt zu haben diese Offenbarung zu verdauen, dachte John, dass, falls es wahr wäre, mein Verhalten beinahe eine Gotteslästerung sei. Es wurde mir mitgeteilt, dass wir unter der direkten Führung Arrantees stünden, und ich fürchtete mich, da ich dachte, wir seien nicht stark genug um es durchzuhalten. Ich kam zurück und hörte wie John seinen Schrecken über meine trotzige Haltung zum Ausdruck brachte, aber Nicholas verstand, dass ich darzulegen hatte, was in meinem Sinn vor sich ging, und er versuchte John zu überzeugen, dass es in der Gedankenwelt sicher nicht so schlecht tönen würde, wie es ihm vorkam.

     Nicholas hatte dieses intuitive Verständnis von dem was ich auszudrücken versuchte, im besonderen in den Anfangsjahren und während der schwierigen Zeit des Zurückkommens, in welcher so viel Wissen erfahren werden konnte, falls ich feinfühlig behandelt wurde. In späteren Jahren blasste das etwas ab, da Jugend und Alter innerhalb des Bogens, der sich zwischen Geburt und Tod erstreckt, näher bei der Gedankenwelt sind. Im Gegensatz dazu ist das mittlere Alter davon am weitesten entfernt. Dennoch gab es, und wird es immer geben, eine enge Fühlungnahme zwischen uns, in der Telepathie verwendet wurde und wenn notwendig wieder verwendet werden könnte.

     Es war dieses Verständnis, das ihm den Namen 'der Sehende' einbrachte, da ich denjenigen, die sich dem Kreis anschlossen, solche Bezeichnungen gab. Sie tönten selbst für mich plump und beruhten auf der Tatsache, dass die Kommunikation in der Gedankenwelt durch direktes Denken passiert, so dass für die Erde eine Benennung gefunden werden muss. Es war für mich immer eine Sorge, die Dinge der Gedankenwelt in Worten zu beschreiben. Ich spüre, dass wir mit Worten gefährlich umgehen, manchmal aus Vorurteil, oder um die Wahrheit zu verdrehen. Worte, die für den Sprechenden eine bestimmte Bedeutung haben, können für den Zuhörenden etwas völlig anderes bedeuten.

     Diese, in den Sitzungen gegebenen Namen, scheinen mit dem einen Bezug zu haben, was ich in der Gedankenwelt über die Bezeichneten dachte, wie zum Beispiel 'die Bringering des Lachens' oder 'der Wind'. Der Wind war eine Frau, welche, wie es mir zur Zeit der Namensgebung vorkam, nicht zu wissen schien, woher sie kam oder wohin sie geht. Oder dann waren es Namen, die ich auf meinen Wanderschaften durch die Zeit kennengelernt hatte, Namen, die dem Bewussten-Selbst einer Person angehörten, deren Leben ich sah, wie zum Beispiel Azvard, der meinem Ewigen-Inspirationspartnerselbst gegebene Name, und Sanchuniathon, der meinem Ewigen-Schutzpartnerselbst gegebene Name. Das bringt mich zur ersten Gelegenheit, an welche ich mich erinnere, in der Zeit gewandert zu sein.

     Ich war leicht beunruhigt, als John mir sagte, dass Nicholas an einer Sitzung teilnehmen möchte, und dass er hoffte, es werde etwas mitgeteilt, was Nicholas interessieren würde. Ich war beunruhigt, da ich nicht kontrollieren konnte, was vor sich geht, wenn ich 'weg' war, und ich zog es vor, frei von Druck und persönlichen Wünschen zu sein. Ich wurde immer ängstlich, wenn ich dachte, es gäbe eine Möglichkeit vom Allgemeinen der LEHRE wegzukommen und in persönliche Belange verstrickt zu werden. Als jedoch die Sitzung verabredet wurde, wusste ich, dass nicht nur Johns Wunsch erfüllt würde, sondern auch, dass es mir erlaubt sein würde, in der Zeit zu wandern, und ich war erfreut und begeistert. Ich wusste auch, dass Nicholas, wenn er wollte, mir folgen könnte, um selbst zu sehen, was ich sah. Damals wusste ich nicht, weshalb er das konnte, nur dass er könnte oder auch nicht, so dass ich auf jeden Fall die Erinnerung behalten musste, um es ihm zu erklären, im Fall er nicht mitkäme.

     Es begann eher wie das Anschauen eines Films. Ich sah ein dachloses Steingebäude, von welchen ich wusste, dass es der Tempel von Beruna ist. Draussen auf einer offenen Terrasse stand ein leicht dunkles Mädchen. Ein krumm stehender Baum wuchs auf der gegenüberliegenden Seite an der Aussenwand. Sie beobachtete jemanden im Tempel, und als sie hinschaute, sah ich den Tempelpriester Sanchuniathon, der vor einem beinahe dreieckigen Stein stand, welcher der Graustein von Beruna war. Er hatte eine markante Gestalt, gross, schlank, mit einem zarten adlerähnlichen Profil und sehr schön geschwungenen Augenbrauen. Während er die Anrufung vollzog, hörte ich auf, Zuschauer zu sein und drang in den Sinn des Mädchens ein und wurde tatsächlich zu Kophra. Sie bewunderte ihn, aber es belustigte sie zur selben Zeit, da sie genau wusste, dass er ihre Anwesenheit wahrgenommen hatte und vorgab nichts gemerkt zu haben. Dann verblasste die Szene und ich kam zurück.

     Das nächste Mal, während der nächsten Sitzung sah ich beide, Sanchuniathon mit Kophra, im Garten sitzend. Sie lehnte sich in seinen Armen zurück. Dann sah ich sie bolzengerade aufsitzen und hörte sie mit Beunruhigung sprechen: "Nein, nein Sanchuniathon." Ich wusste, dass sie zu Liebenden geworden waren, und weil es so Brauch war, musste sie bei einer Vollmondnacht durch Feuer sterben. Als sie wiederum ausrief, drang ich in ihren Sinn ein und stellte fest, als ihre Aufruhr zu meiner wurde, weshalb sie so aufgebracht war. Es war nicht der Gedanke an ihren Tod, der sie zum Protest bewog. Dieser war unvermeidlich und in einem Sinn natürlich, da sie in diesem Brauch aufwuchs und dazu erzogen wurde. Es war weil Sanchuniathon zu ihr gesagt hatte, dass sie beide, obwohl sie sterben würde, nicht von einander getrennt sein werden, und dass Marazahn, die Tempelpriesterin und Hauptvertreterin der schwarzen Magie versprochen hätte, sie nach dem Tod zurückzurufen. Kophra wusste, dass Marazahn diese Fähigkeit hatte, aber es war eine Idee, die sie in Entsetzen versetzte. Sie wusste, dass es falsch war und protestierte unter Tränen. Als Sanchuniathon sah, wie diese Idee Kophra beunruhigte, liess er das Thema fallen und überdeckte ihren Mund mit Küssen. Das war das Ende der zweiten Sitzung.

     Die dritte Sitzung war anders und als sie vorbei war, wusste ich, dass ich Kophra selbst war, mein Bewusstes-Selbst in einem anderen Leben, und dass Sanchuniathon das Bewusste-Selbst meines Ewigen-Schutzselbst war. Das war der Grund, weshalb ich mein Ewiges-Schutzselbst Sanchuniathon nannte. Was ich jedoch dazumal nicht wusste, sondern erst viele Jahre später erfuhr, war, dass Nicholas das Bewusste-Selbst Sanchuniathons war, der sich für dieses Leben inkarniert hatte und welcher mein Bewusstes-Partnerselbst ist (6) Als diese Sitzung anfing, war es nicht wie bei den beiden ersten, in welchen ich zuerst nur Zuschauer war. Von Anfang an wurde ich zu Kophra und befand mich in der Gedankenwelt, denn es war nach meinem irdischen Tod. Ich hörte ein Geräusch wodurch meine momentane Handlung unterbrochen wurde. Dieses hielt an, und horchend wurde ich mir bewusst, dass es Sanchuniathon war, der mich rief. Es hörte sich an, wie wenn es weit weg wäre. Ich fragte Azrael, ob ich gehen könnte und er antwortete: "Kind, wo Liebe ist, sind keine Schranken." So ging ich, mit einem Herzen so leicht wie fallende Blätter und mit tanzenden Füssen. Ich musste eine Störung bewirkt haben, da ich einen Mann sagen hörte: "Tut tut" und ein anderer schaute auf, als ich im Vorbeigehen seinen Blick auffing. Er verstand mich, und ich fühlte seinen Segen, als ich an ihm vorbeikam. So erreichte ich den Tempel von Beruna, wo Marazahn und Sanchuniathon standen und auf mich warteten. Als ich sie anschaute, sah ich wie sich das Gesicht Sanchuniathons in einen Ausdruck von erstarrtem Schrecken und Ekel verwandelte. Dann drehte er sich um und verwünschte Marazahn, die schallend lachend dastand. Dieses Lachen war, und ist für mich immer noch das teuflischste Geräusch, das ich je gehört hatte. Dann wandte ich mich ab und verliess sie mit gebrochenem Herzen, da ich nicht wusste, dass Marazahn mich in einem Körper des Todes und der Verwesung zurückkommen liess.

     Diese dritte Szene in dieser Geschichte von Beruna war der Höhepunkt der Auseinandersetzung, in welcher Marazahn versuchte ihren Einfluss über Sanchuniathon aufrechtzuerhalten. Sie war nicht auf ein kleines Tempelmädchen eifersüchtig, eigentlich war sie es, die uns am Anfang bewusst zusammengebracht hatte. Ich hätte zu einem nützlichen Pfand werden können, falls Liebe zwischen uns wuchs. Diese Liebe wäre eine Falle, durch welche sie, falls sie es wünschte, mich loswerden konnte, was sie auch tat.

     Sanchuniathon wählte mich, nicht in erster Linie aus einem persönlichen Motiv, sondern wegen meiner Gabe, damit ich für ihn arbeiten könnte, weil ich dazumal schon aussersinnliche Fähigkeiten hatte. Er suchte Kontakt mit dem, was ich die Gedankenwelt nannte und fand in mir einen Kanal der Kommunikation. Dies kam allmählich zwischen ihn und Marazahn, da er an meiner Methode mehr interessiert war, als an ihrer schwarzen Magie. Es war der Verlust dieser Macht und ihres Einflusses, das Marazahn beeinflusste die Gelegenheit zu erfassen mich loszuwerden und sich dann so scheusslich zu rächen.

     Es war für mich eher grässlich, diesen Teil jenes Lebens wieder zu erleben, im besonderen das Lachen Marazahns nochmals zu hören, aber ich erfuhr etwas aus diesem Erlebnis, so dass es sich lohnte. Ich weiss nicht warum, aber ich erfuhr nie den Grund, weshalb Sanchuniathon, nachdem er Marazahn erlaubte mich zurückzurufen, sich in solcher Abscheu von mir abwendete. Ich war mir dazumal nicht bewusst, was für einen Körper ich hatte. Jetzt mit Nicholas neben mir, war es mir möglich den Grund zu entdecken und zu verstehen, wobei diese Erkenntnis jede Bitterkeit beiseite schaffte. Ich erkannte, dass Sanchuniathon, der Priester, mich um Vergebung bitten wollte, und ich sagte ihm, wo Verständnis herrscht, braucht es keine Vergebung.

     Als Ergebnis dieser Szene erfuhr ich ebenso, dass nach dieser schrecklichen Rückkehr, Sanchuniathons Liebe zu Kophra nicht verblasste, sondern sich wandelte und in etwas vertiefte das anhielt. Er verjagte Marazahn und verhinderte während seiner Lebzeiten den Gebrauch der schwarzen Magie. Es ist seltsam, aber selbst in meinem jetzigen Leben fühlte ich mich glücklich darüber. Ich erfuhr auch, dass er die Gesetzte und Bräuche aufsetzte, die er für seine Leute niederschrieb.

     Das folgende ist eine Beschreibung meiner Einweihung, die eigentlich während dem ersten Kreis und vor der Geschichte von Beruna stattfand, die ich in einer Sitzung sah, an welcher Nicholas und John Bodley teilnahmen, und obwohl es nicht in der richtigen Reihenfolge ist, glaube ich, dass es hier besser hineinpasst. Es schien zu jener Zeit vielleicht nicht reiner Zufall gewesen zu sein, dass bei dieser Einweihung von den Teilnehmern des ersten Kreises nur John Bodley und Frau Scott dabei waren. Das einzige was wir damals wussten, war, dass für ein allfälliges Fortfahren eine völlig stille Sitzung notwendig war, in der es so schien, als ob nichts geschähe oder gesprochen würde. Dies wurde von ihnen so akzeptiert. Nachdem die Sitzung vorbei war, verlor ich völlig meine Erinnerung an alles was geschah und war mir nur einer extremen physikalischen Erschöpfung bewusst. Lange danach, tatsächlich erst vor wenigen Jahren, als ich bei Nicholas und seiner Frau weilte, wurde ich aufgefordert eine Sitzung mit ihnen abzuhalten, für eine Reproduktion meiner Einweihung, die nicht Wirklichkeit war, sondern nur eine Erinnerung an das was geschah, damit ich es in Worte fassen könne. Selbst mit dem Wissen, dass es nicht Realität war, hatte ich Angst davor.

     In dieser Reproduktion erfuhr ich, dass die wirkliche Einweihung eine notwendige Erfahrung war, bevor mein Bewusstes-Selbst das Erinnern handhaben konnte, um die LEHRE zurückzubringen. Ich erfuhr auch, dass es in allen Einweihungen, wie ich denke, einen gemeinsamen Faktor gibt. Das Bewusste-Selbst muss alleine in die Gedankenwelt eindringen und sich dort der Kraft des Bösen stellen. In dieser Begegnung muss es die Integrität seiner Persönlichkeit aufrechterhalten. Die Härte der Auseinandersetzung wird auf den Bewusstseinsstand abgestimmt sein, den dieses Bewusste-Selbst im Falle seines Erfolgs erreichen muss. Diejenigen, deren Verständnis genügend fortgeschritten ist, nehmen wahr, dass die Kraft des Bösen keine Persönlichkeit hat, höchstens Abstufungen der Boshaftigkeit. Bevor jedoch dieses Verständnis erreicht wird, ist das Bewusste-Selbst geneigt, ihr Persönlichkeit zuzuordnen.

     Vor meiner Einweihung, gab mir Sanchuniathon, mein Ewiges-Schutzselbst, die dafür einzig notwendige Anweisung: "Geh soweit in die Dunkelheit, wie es Dir möglich ist, und vergiss nicht, es gibt keine Dunkelheit, in welche das LICHT nicht eindringen kann." Ich weiss, dass mein Versagen in dieser Einweihung oder in dieser Prüfung mir verunmöglicht hätte, die LEHRE in diesem Leben zu erhalten. Wenn ich auf halber Strecke umgekehrt wäre, hätten nur die ersten sechs Kapitel der Zusammenfassung geschrieben werden können, und sogar nicht einmal deren gesamter Inhalt. Eine Einweihung scheint ein Test zu sein, um zu sehen, wie weit ein Bewusstes-Selbst innerhalb der Gedankenwelt in die Dunkelheit eindringen kann, falls es das dort Gelernte zurückbringen soll. Es dient auch dazu, die Sicherheit dieses Bewussten-Selbst in diesem Leben zu gewährleisten.

     Das folgende ist eine verbale Übersetzung dieser symbolischen Einweihung, die in Worte gefasst werden kann, obwohl diese Worte mir als völlig unzulänglich vorkommen, um das wirkliche, in der Erfahrung gemachte Grausen zu vermitteln. Zuerst begab ich mich in etwas, das einer Wüste glich, unglaublich grau, ausgetrocknet und öde, mit einer Art halb verdunkeltem Licht. Die Sache, die mich am meisten bedrückte, war dieses unaufhörliche Geräusch, wie vom Wind getriebener Sand, ein trockenes Rascheln. Es hörte nie auf, und es gab keine anderen Geräusche, ich wünschte es gäbe welche. Ich konnte hören und sehen und spüren. Es gab keine Farben. Es war stumpf, ohne Form, leer. Es schien mir, einem alle Freude und Hoffnung zu stehlen. Ich fühlte den starken Drang zurückzukehren, bevor ich zu nichts wurde. Dann erinnerte ich mich: "Geh soweit wie Du kannst." Und ich wusste, dass ich weitergehen konnte, was ich auch tat.

     Dann wurde ich mir gewahr, dass ich mich in der Dunkelheit befand. Ich konnte nicht sehen, aber dennoch fühlen und hören, aber es gab nichts zu hören. Es war bedrückend, bösartig und begann mich einzukreisen. Für einen Moment wünschte ich etwas zu hören, selbst den treibenden Sand, und mit diesem Gedanken kam der erste Vorschlag der Dunkelheit. Ich erfuhr, dass es überhaupt kein Sand war, sondern korrupte Gedanken, die herkamen und vorbeizogen. Ich war davon völlig umgeben. Dann erschallte ohne Warnung das schreckliche Lachen Marazahns, wie ich es bereits einmal gehört hatte und ich rief: "Stop, Du tatest dies einmal vor langer Zeit und ich lebe immer noch." Und das Lachen verebbte. In diesem Moment wusste ich, dass es nicht Marazahn war, mit der ich mich zu messen kam, es gab hier keine Persönlichkeit, nur die Kraft des Bösen selbst. Ich forderte diese heraus und dachte: "Ich kam hierher aus meinem freien Willen." Und die Kraft antwortete mir: "Ja, aber Du kannst nicht zurück." Ich wusste, dass es wahr war, so musste ich es akzeptieren und ich provozierte abermals: "Dennoch bin ich immer noch mich selbst, und Sanchuniathon sandte mich." Und das Denken antwortete: Aber Sanchuniathon kann Dich nicht zurückholen."

     Das war ebenso richtig, und meine erste Reaktion war mein kummervoller Gedanke: "Sanchuniathon, warum hast Du mich gesandt?" Mit diesem Gedanken fühlte ich, wie sich die Kraft verstärkte, so nahm ich mich zusammen. "Das brachte dich schon näher, nicht wahr? Ich kann nicht zurück, und Sanchuniathon kann mich nicht zurückholen, es ist wahr und ich akzeptiere es, aber dennoch bin ich mich selbst, und du kannst mich nicht besitzen." Dann kam der schlimmste aller Vorschläge "Es gibt keine Zeit, kein noch, kein jetzt." Und ich sank hinunter in eine Dunkelheit, die kein Ende hatte. Meine Sinne verliessen mich, und das Denken machte mir grosse Schwierigkeit, aber ich sagte langsamer und langsamer. "Das ist wahr und ich akzeptiere es ebenso, und obwohl ich versagt habe und Sanchuniathon mich nicht zurückholen kann, und Du mich für alle Ewigkeit festhältst, bin ich mich selbst." Ich behielt diesen Gedanken und langsam ach so langsam, um mehr als nur mein Erdenleben ringend, erinnerte ich mich an Sanchuniathons Anweisung: "Es gibt keine Dunkelheit in welche das LICHT nicht eindringen kann." Ich wusste, dass ich versagt hatte und Sanchuniathon nicht kommen konnte, aber Azrael konnte, und ich rief Azrael. Ich schrie dreimal nach Azrael und er kam und befreite mich aus der Dunkelheit.


ANMERKUNG:

(6) Die Namen sind in Abbildung 4 der Zusammenfassung der LEHRE dargestellt.      zurück zum Text.


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