Die Lehre Autobiografie, Inhalt: Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Foto 1 Foto 2 Foto 3 Foto 4


KAPITEL  XI


 DAS  AUSEINANDERBRECHEN   DES  ZWEITEN  KREISES 

Der zweite Kreis brach infolge Schwierigkeiten in meinem persönlichen Leben auseinander. Als Elisabeth in England geboren wurde, waren Anthonys über achtzig Jahre alte Eltern immer noch am Leben. Ich liebte seine Mutter, die tolerant und weise war. Seinen Vater empfand ich als klagend und anspruchsvoll, obwohl er sich seiner Frau gegenüber hingebungsvoll benahm. Die Familie hatte, wie ich von seiner Mutter vernahm, eine merkwürdige Familiengeschichte. Anthonys Grossvater war ausserordentlich reich, jedoch sehr exzentrisch in seiner Ansicht über das Heiraten. Er hatte zwei Söhne und eine Tochter und war dagegen, dass sich seine Kinder verheiraten würden. Trotzdem heiratete Anthonys Vater, der älteste Sohn, eine Frau namens Caroline Devereux. Es gab nichts gegen ihren Stand einzuwenden, sie gehörte zu einem jüngeren Zweig einer sehr angesehenen Familie. Aber es brachte ihn in Ungnade mit seinem Vater, und ich glaube in den Anfangsjahren ihrer Ehe mussten sie sich finanziell einschränken.

      Als sein Grossvater starb, hinterliess er ein eigenartiges Testament, nach welchem der verheiratete Sohn während seiner Lebzeit £ 1000 pro Jahr erhielt, wovon bei dessen Tod die Hälfte dieser Summe an das Familiengut zurückerstattet werden sollte. Die zweite Hälfte sollte zwischen seinen fünf Kindern aufgeteilt werden, wovon Anthony eines war, so dass jedes eine kleine Summe von £ 100 pro Jahr erhielt, welche aber bei dessen Tod an das Familiengut zurückfallen sollte. Somit erhielten deren Kinder, die Enkelkinder des ältesten Sohnes nichts. Das Familiengut und dessen Vermögen wurde dem ledigen Onkel und der ledigen Tante vermacht. Der Rest der Geschichte gleicht der eines billigen Kitschromans. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde Anthony, der selbst ein jüngerer Sohn war, als Erbe des Onkels eingesetzt. Dieser Onkel finanzierte die Reise Anthonys und Anthonys Vetters Reise nach Kanada. Wie zu erwarten war, verschwand das wenige Geld, das ihnen zur Verfügung stand in kürzester Zeit, und sie hatten die beiden Möglichkeiten, entweder nach Hause zurückzukehren, oder eine Arbeit anzunehmen. Sein Vetter wählte das erste und Anthony das letztere. Er erzählte mir einmal, dass das Ausgraben eines Kellers seine erste Arbeit war. Sein Onkel sandte ihm dann einen gebieterischen Brief und forderte ihn auf, sein Versagen zuzugeben und nach Hause zu kommen.

     Ich bin froh, dass Anthony seine Unabhängigkeit vorzog, obwohl es ihm das Erbe kostete. Nachdem er sich zu einer recht guten Stellung im 'Indian Civil Service' emporgearbeitet hatte, verliess er diesen, um als kanadischer Gebirgsfüsilier am Burenkrieg teilzunehmen. Als das vorbei war und er für Ferien nach England zurückkehrte, wurde er abermals zum Vorzugsknaben seines Onkels, der ihn erneut als Erben einsetzen wollte, jedoch plötzlich verstarb. Die Details waren eher mehr als dramatisch, da es aber lange vor unserer Heirat stattfand, hat es mich eher belustigt als enttäuscht. Der wirkliche Grund, weshalb ich diese alte Geschichte erzähle, ist, weil Anthony nun, auf die komischste Art, dem Vorbild seines Grossvaters folgte.

     Auf der Reise, als wir von Afrika nach Neuseeland übersiedelten, setzte ich einen neuen Präzedenzfall. Ich freundete mich mit einem jungen Mann an. Wir beide hatten ein gemeinsames Interesse an Musik. Als Abschiedsgeschenk erhielt ich von jemandem einen tragbaren Plattenspieler mit einigen Schallplatten und war bedacht, mehr Platten anzuschaffen. Ian und ich diskutierten dieses fesselnde Thema, und in Melbourne führte er mich in ein gutes Musikgeschäft und half mir einige auszuwählen. In dieser Nacht fragte er Anthony und mich, ihn zu einem Konzert zu begleiten. Anthony lehnte ab in der Erwartung, dass ich ihm folgen würde, aber entgegen seiner Erwartung nahm ich an und ging mit, obwohl ich mir bewusst war, dass er, ohne es mir mitzuteilen, dagegen war. Ganz unerwartet erwachte in mir der Drang, mein Leben innerhalb vernünftiger Grenzen selbst zu kontrollieren, und dies schien die Gelegenheit zu sein, damit anzufangen. Es war keine sentimentale Freundschaft. Ian war mehr als fünfzehn Jahre jünger als ich, auch wusste ich, dass er mit einer netten Frau in Neuseeland verlobt war, von der er mir ein Foto gezeigt hatte. Ich denke es wäre gut gewesen, alle diese Sachen Anthony mitzuteilen, aber in solchen Umständen wurde er verstockt und unnahbar, so ging ich eben, vehement unterstützt von Elisabeth. Diese Tatsache lag mir auf dem Gewissen, da ich mir sehr Mühe gab, dass die Kinder keine Stellung nahmen.

     Ich weiss nicht, ob es das Resultat dieses Akts der Unabhängigkeit oder aus anderen Gründen war, sehr wahrscheinlich eine Mischung von beidem, dass sich unsere Beziehung veränderte sobald wir in Plymouth ankamen. Unter anderem, transferierte er seine Eifersucht von mir auf Elisabeth, was sich ungünstig auf den Frieden unseres Familienlebens auswirkte, sich jedoch als ein Vorteil für die LEHRE erwies. Vor dieser Veränderung erlaubte er mir nicht, einen Teil meines Lebens für mich selbst zu leben. Das Thema des Kreises wurde nie zwischen uns beiden diskutiert. Unser Farmleben machte es für uns normal, unsere Vergnügen getrennt zu suchen, und ich wusste, dass Anthony dem gesamten Gesichtspunkt ablehnend gegenübergestanden wäre. In Rücksicht auf seine Einstellung, die ablehnend war und die ich einst mit ihm teilte, sprach ich nie mit den Kindern über dieses Thema.

     Die Einheit der Familie verschlechterte sich stetig mit dem Älterwerden der Kinder. Ich dachte damals, und auch heute noch, dass wir gute Kinder hatten. Ich denke, ich habe ihnen gegenüber eher eine losgelöste Haltung und habe auch ihre vielen Fehler erkannt. Aber sie waren tapfer, fröhlich und nicht übermässig egoistisch, im besonderen Elisabeth, die sich bewusst war, welche Art Leben sie gehabt hätte, falls wir in Afrika geblieben wären. Sie murrte nie über unsere Lebensveränderung, in der Tat passten sich alle drei zufrieden an das mühselige, finanziell beschränkte Leben an, das wir nun führten. Anthony tat es nicht. Er war nicht für Neuseeland eingestellt, und konnte sich nicht an sein begrenztes Einkommen gewöhnen. Er nahm eine Hypothek auf unser Land auf, was nur den Zeitpunkt verschob, bei welchem er von seiner Pension allein leben musste. Ich anerkenne, dass es für ihn viel schwieriger war als für uns. Wenn ich älter gewesen wäre und die jetzige Erfahrung gehabt hätte, wäre es mir möglich gewesen ihn besser zu beeinflussen. Wie es jedoch damals war, wurde ich je länger je mehr zum Gefährten meiner Kinder als zu seinem Partner. Ich wurde zum ständigen Puffer zwischen ihrer fröhlichen Art und seinem Unwillen.

     Ich hatte das Vertrauen der Kinder in ihren Schwierigkeiten und betrachtete es als natürlich. Es war John Bodley der darauf hinwies, dass dies, nach seiner Erfahrung, zwischen Eltern und dieser Generation ungewöhnlich sei, aber selbst wenn ich ihr Zutrauen dazumal hatte, konnte unser gegenseitige Respekt von einem Aussenseiter kaum wahrgenommen werden. Elisabeth erinnerte sich soeben an einen Zwischenfall, bei welchem Michael mich durch alle Gartenbeete jagte, während ich in Besorgnis wild losschreiend um mein Leben rannte, und die Mädchen, die sich vor Lachen kaum erholen konnten, vergeblich um Hilfe anrief. Dann tauchte unerwartet Anthony auf, und die Szene veränderte sich unmittelbar, da wir unter dem kalten Wind seiner Missbilligung schnell unsere Nüchternheit wiedererlangten. Ich denke, dass allerdings unsere schlimmste Zeit kam, als Michael die Familie verliess, um sein eigenes Leben zu verdienen und das Bauern erlernte. Dass er es schwierig fand, war ein weiteres Hindernis. Anthony wollte nicht anerkennen, dass es die Gegebenheit der Zeit war und nicht Michael. Seine eigene Jugend erlebte er während der Entwicklung der Kolonien, währenddem das Leben von Michael durch die Depression beeinflusst wurde, mit der zusätzlichen Gefahr des zweiten Weltkriegs, der in der Luft lag. Ich denke, er hat sich in seiner Arbeit gut gehalten ohne jemals um Hilfe zu fragen.

     In jenen Jahren waren Susanne und ich gute Gefährtinnen. Sie teilte meine Vorliebe die Gegend zu erforschen, und die meiste Freizeit verbrachten wir zusammen, gingen immer weiter und weiter von zu Hause weg, wanderten oder radelten in den Hügeln. Die bittere Haltung ihres Vaters bedrückte Susanne sehr, und ich denke, dass sie mehr darunter litt als die anderen. Obwohl die Probleme eher um Elisabeth kreisten, war sie widerstandsfähiger und stand für ihre Rechte ein, manchmal trotz widerlichen Auseinandersetzungen, während Susanne und ich eher nachgaben, als uns auf solche Auseinandersetzungen einzulassen. Anthony konnte die Tatsache nicht akzeptieren, dass Elisabeth nun erwachsen war und eine natürliche Tendenz entwickelte Interesse und Freundschaften ausserhalb der Familie zu suchen. Für ihn war es, in seinen verdrehten Ansichten, ein Zeichen ihres Zerfalls, während ich sie bewunderte, wie sie sich mit den einfachen Vergnügen zufrieden stellte, verglichen mit denen der afrikanischen Gesellschaft, die wir hinter uns gelassen hatten. Diese Vergnügen bestanden aus Picknicks, Wanderungen und in den Ferien einige kleine Tanzabende, die bei ihren Freunden zuhause abgehalten wurden. Jedes Ausgehen war missgönnt, und es gab eine dauernde Belastung, um den Frieden im Haus zu bewahren, wenn sie solche Einladungen annahm, die sie als Ausgleich für ihre tägliche Arbeit, derer sie sich nie entzog, brauchte. Anthony war gegenüber jedem Jungen oder Mann, der sich für sie interessierte, abgeneigt, ob er nun sechzehn oder sechzig Jahre alt war. So war das Entstehen einer Krise unvermeidlich, als Elisabeth sich mit zweiundzwanzig Jahren verloben wollte.

     Ich will diese unglückliche Epoche nicht in Erinnerung rufen; es genügt zu sagen, dass die Zeit Elisabeths Wahl gerechtfertigt hat. Ich weiss nicht, ob es ein Paar gab, das besser zusammenpasste, indem der eine die Ergänzung des anderen ist. Mit ihren drei Kindern, die sie jetzt haben, ist es eines der glücklichsten Zuhause, die ich besuche. Ich glaube, dass es schwierig gewesen wäre, einen Haushalt mit weniger anzufangen, als sie hatten. Aber ihr Zuhause sah immer attraktiv aus, und sie sind längst aus dieser einschränkenden Anfangsphase herausgewachsen.

     In der Zwischenzeit erliess Anthony ein Ultimatum. Falls Elisabeth heiraten würde, wäre sie nicht erlaubt nach Hause zurückzukehren. Ich deklarierte, dass ich nicht in einem Zuhause leben wollte, in welchem meine Kinder mich nicht besuchen könnten. Elisabeth heiratete kurz vor Weihnachten und ich verliess das Haus im folgenden April. Die dazwischenfallenden Monate waren die schlimmsten und schwierigsten, die ich jemals erlebte. Anthony war nicht hier für die Hochzeit, die auf unserer Veranda, mit deren wunderschönen Aussicht abgehalten wurde. Es war ein schöner Sommertag, und im Garten waren die Rosen und Lilien in voller Blüte. Natürlich war es die ruhigste Hochzeit, die man sich denken kann, aber ich glaube für Elisabeth war es ein glücklicher Anfang.

     Einige Monate vor der Heirat geschah, was ich mir für Susanne, die damals siebzehn war, von Herzen immer wünschte. Es wurde ihr ein Platz als Gartenbaustudentin am botanischen Garten in Dunedin offeriert. Sie liebte diese Arbeit, und ich habe, nachdem sie die notwendigen Aufnahmeprüfungen am Kollegium bestanden hatte, jedes mir mögliche Mittel eingesetzt, um ihr diese Chance zu schaffen.

     Anthony und ich hatten in vielen Angelegenheiten dieselbe Meinung, und nachdem wir uns auf einen minimalen Unterhaltsbeitrag für mich einigten, mit welchem ich auskommen konnte, beschlossen wir, unsere Privatangelegenheit sowenig wie möglich publik zu machen. So stimmten wir überein, meine Abreise als ein Besuch in Dunedin vorzugeben, um Susanne beim Einrichten zu helfen, aber unter uns wussten wir, dass diese Trennung endgültig war.

     Dazumal hatte ich eine doppelte Bürde zu tragen. Parallel zu den Problemen zu Hause, war auch der Fortbestand des Kreises in Gefahr. Die 'Mutter' dachte, dass der Kreis zuviel von Johns Zeit und Interesse in Anspruch nahm, zum Schaden seiner Praxis. Sie war davon überzeugt, und da es das Interesse ihrer Kinder bedrohte, war ihre Haltung verständlich. Ich glaube, dass sie nicht recht hatte, und dass sie andere Faktoren nicht genügend mitberücksichtigte, wie zum Beispiel der Zuwachs jüngerer Ärzte im Dorf und der Einfluss der Depression, die zu jener Zeit am schlimmsten war.

     Obwohl unser Kreis nicht spiritistisch war, hatte er dieses Ansehen und diesen Ruf. Jegliches Geschwätz darüber konnte höchstens erfunden sein, da die Beteiligten über diese Angelegenheit nicht ausserhalb des Kreises sprachen. Aber die Leute wussten bereits lange bevor der erste Kreis anfing, dass John an Parapsychologie interessiert war. Die Mehrheit der Leute hat schon immer ein Vorurteil gegenüber solchen Sachen gehegt. Ich glaube, dass es immer so sein wird mit allem Neuen, das noch nicht verstanden ist. Mir scheint im Gegenteil, dass Parapsychologie ein Teil eines Wissenschaftszweiges sein sollte. Unglücklicherweise haben Irreführungen und Täuschungen von Medien, die ihre Fähigkeit als ein finanzielles Mittel einsetzten, ein ablehnendes Denken unterstützt, wodurch die Fälle von sauberer Arbeit überschattet wurden und diese nicht die entsprechende Publizität erreichten.

     Ich bezweifle sehr stark, ob John überhaupt Patienten wegen dieser Ursache verlor. Ich glaube, wenn es so gewesen wäre, hätte ich die Ablehnung gegenüber unserem Kreis in einer unterschiedlichen Haltung meines vielseitigen Freundeskreises wahrgenommen. Im Gegenteil. Ich war in diesen schweren Tagen gerührt und dankbar für die ausgesprochene Freundlichkeit und Sympathie, die mir meine Freunde entgegenbrachten.

     Nichtsdestotrotz schaffte diese Überzeugung der Mutter eine Kluft zwischen uns. Als sie sich vom Kreis zurückzog, tat es mir sehr leid, und ich war äusserst um sie besorgt. Dann hatte ich die Gelegenheit, wie das Jahr zuvor, meinen Geburtstag mit ihnen verbringen zu können. Bis anhin veranstalteten sie jeweils einen speziell netten und glücklichen Tag, aber diesmal sagte die Mutter etwas, was ich, Gott sei Dank, nicht einmal mehr weiss, obwohl es mich zu tiefst verletzte, und der Kontrast zwischen meinen vergangenen Geburtstagen und diesem, berührte meinen bereits todmüden Sinn enorm. Die Zukunft machte mir Angst. Ich fürchtete, dass der Unterhaltsbeitrag von Anthony nicht ausreichen oder sogar enden könnte. In diesem Punkt schätzte ich ihn falsch ein. Ich meinte, ich müsste versuchen mein eigenes Leben zu verdienen, um die Unterhaltsbeiträge für mein Alter aufheben zu können, aber ich war bereits über vierzig Jahre alt und hatte keine vorangegangene Berufserfahrung. So war meine Reaktion zu dieser Verletztheit das Gefühl, es sei sich nicht der Wert weiterzumachen. Es gab mir die Idee, mir mein Leben zu nehmen. Ich dachte immer, dass Selbstmord eine persönliche Sache sei, und dass ein Individuum das absolute Recht hätte, für sich selbst zu bestimmen, ob es leben wolle oder nicht. Ein Punkt, der bei mir Gewicht hatte, war, dass die Kinder nun unabhängig waren. Michael war selbständig, Elisabeth verheiratet, und Susanne für einige Jahre abgesichert bei ihrer Arbeit, die sie liebte. Andererseits hätte ich für sie zu einer Bürde werden können.

     Ich hörte einmal ein Gespräch zweier Männer an, über die Verrücktheit solcher, die sich das Leben nehmen wollen, Arsen, das Messer oder das Gewehr als Mittel für Selbstmord zu verwenden, wenn es doch andere, viel einfachere Methoden gab, die ohne einen Verdacht, nicht als Selbstmord aufgedeckt würden. Ich erhielt die, in diesem Gespräch vorgeschlagene Droge ohne jegliche Schwierigkeit von einem Apotheker und gebrauchte sie zwei Tage später. Meine Putzfrau war an diesem Tag bei mir und Anthony war ausgegangen. Ich verschob einige schwere Truhen und sagte nachher meiner Hilfe, dass ich mich ein bisschen sonderbar fühle und mich hinlegen werde. Sie war beunruhigt, und ich fühlte mich ein wenig gemein, da ich sie bewusst täuschen wollte, aber es war für mich eine notwendige Vorbereitung.

     Ich sass auf den Stufen, die in den Garten hinunter führten, es war warm in der Sonne, und ich nahm das Mittel. Für eine Weile war ich hauptsächlich mit dem brennenden Gefühl im Hals beschäftigt, aber es ging vorbei, und ich fühlte mich ruhig und friedlich. Es war ein wenig komisch die Blumen anzuschauen und den Vögeln zuzuhören mit dem Wissen, dass es zum letzten Mal war. Ich hatte nicht das Gefühl etwas Falsches gemacht zu haben. Es gab eine Wahl, und ich entschied mich für das, was ich als den besten Ausweg erachtete, so lange meine Familie oder Freunde dadurch nicht in einen Skandal verwickelt würden. Ich will nicht behaupten, ich hätte richtig gehandelt, ich weiss heute, dass es falsch war, und ich erwähne lediglich meinen dazumaligen Geisteszustand.

     Ich wusste, dass ich mich bald schläfrig fühlen und dann in einen Schlaf fallen würde, von welchem es kein Erwachen mehr gab. Dann, mitten in dieser Friedfertigkeit drang ein Gedanke ein, der mich überraschte und betrübte, Besorgnis um Nicholas. Ich spürte, dass ich ihm auf eine Art etwas antat, ihn im Stich liess. Es ärgerte mich, da so zu fühlen offensichtlich absurd war. Wenn es jemanden gäbe, um den ich besorgt sein müsste, wäre es Susanne, die für sich alleine wäre und trauern würde. Zu jener Zeit wusste ich nichts über Bewusste-Partnerselbst, dennoch litt ich unter dem Gedanken und ich versuchte ihn loszuwerden, indem ich es als eine Fantasie abtat. Als nächstes wurde mir schwindlig und ich ging, um mich hinzulegen, glücklich, dass es vorbei war.

     Während ich schlief, kam Azrael zu mir. Er tadelte mich nicht, hatte nur Mitgefühl und völliges Verständnis. Er zeigte mir die Wahrheit, wie sie wirklich war. Mein Leben war bis anhin die Vorbereitung für meine wirkliche Arbeit. Diese hatte erst gerade begonnen. Es folgte einem Entwurf, den das Licht für mich ausgearbeitet hat, um die LEHRE von der Gedankenwelt auf die Erde zu bringen. Indem ich mir das Leben nahm, lehnte ich diese Gelegenheit ab. Da Er auf Eden lebte, war es Ihm möglich meine Bürde in diesem 'brechenden Moment' zu tragen, aber nun, mit dem Wissen über diese Wahrheit und Seiner Liebe, musste ich sie wiederaufnehmen und weitermachen.

     Ich weiss nicht genau wieso, aber von diesem Moment an nahm ich eine Geisteshaltung an, in welcher ich Schicksalsschlägen gelassen gegenübertreten konnte. Ich glaube es war das Geschenk Arrantees, das Erdenleben nicht mehr mit solcher Ernsthaftigkeit auf mich zu nehmen, sondern es mit Humor zu salzen. Ich weiss, dass diese Idee dann geboren wurde, da ich aufwachte und meine Putzfrau vorfand, welche mit Tee auf einem Servierbrett ins Zimmer schlich. Meine Dankbarkeit, die ich ihr mitteilte, war gemischt mit einer jämmerlichen Belustigung. Ich lachte innerlich über meine rührende Rückkehr.  Tee!  Und erneut zurück zur Erde. Dieses Geschenk von Arrantees wuchs in mir nur langsam an. Es war erst in den letzten Jahren, in welchen ich es verstand, dieses anzuwenden, nicht nur für mich selbst, sondern auch in den Angelegenheiten anderer.

     Am selben Abend ereignete sich dann ein Vorfall, der das Siegel auf meinen neugewonnenen Sinn der Sicherheit setzte. Ich dachte mir, dass eine Stelle als Lehrerin für die Kinder einer von der Schule isoliert lebenden Familie auf dem Land, für mich am geeignetsten sei. Ich hatte eine gute Freundschaft mit der Schulvorsteherin des Kollegiums, das Susanne besuchte. Sie stellte mir ein ausgezeichnetes Zeugnis aus, was sie verantworten konnte, da Susanne direkt von meiner Schulung in ihre Hände kam.

     An diesem Tag diskutierte eine Besucherin der Bodley Familie, Frau Cameron, mit ihnen das Problem ihrer Nachbarin. Diese und ihre Tochter hatten eine kleine Schule in der McKenzie Country, aber die Tochter wollte für ein Jahr von zu Hause weggehen und es war schwierig, einen Ersatz für sie zu finden.

     An diesem Abend läutete mein Telefon. Es war Frau Cameron, die mich darüber informierte, aber sie fügte bei: "Obwohl ich immer noch bereit bin, sie, falls sie es wünschen, mit der Schule in Verbindung zu setzen, habe ich mir die Angelegenheit überlegt und fragte mich, ob sie bei mir als Haushaltsgefährtin arbeiten möchten.?" Ich bin mir bewusst, dass die Erfahrung, die ich mit ihr gemacht hatte für mich gut war, aber ich wunderte mich später, wieso ich so überstürzt zusagte, da mir doch die Arbeit in einer Schule vertraut war und sicher viel angenehmer gewesen wäre. Sehr wahrscheinlich war es das Unwissen über ihre Definition von Haushaltsgefährtin als auch die Sicherheit etwas in den Händen zu haben, wogegen eine Anstellung in der Schule unsicher war, was mich zur Zustimmung bewog. Es wurde gleich abgemacht, dass ich im Juni bei ihr anfangen solle. In der Zwischenzeit fand Susanne für mich ein Zimmer in Dunedin.

     Ich verbrachte mehr oder weniger drei Jahre im Süden unten. Auf Grund meiner vielseitigen Erfahrungen, die ich dort machte, schien es mir länger gedauert zu haben. Ich fand das Klima kalt, aber liebte die Leute von allem Anfang an. Dennoch war diese Zeit ein Exil. Es zog mich immer gegen Norden, obwohl ich zu jener Zeit keinen Weg sah, der mich dorthin hätte zurückführen können.

     Als die Mutter sich vom Kreis zurückzog, und ich mein Zuhause verliess, waren nur noch John und der Recorder übrig. Sie waren traurig, da es das Ende des Kreises zu sein schien. Dann, bevor ich weg ging, wurden wir informiert, dass es nicht das Ende sei und es auch nicht sein werde, ausser wenn wir es so wollten. Es wurde uns auch erklärt, dass Bewusste-Selbst die auf dieselbe Schwingung abgestimmt seien, sich im Schlaf zum Gedankenaustausch treffen würden. Demzufolge würden unsere Ideen von andere Individuen aufgenommen und von ihnen erinnert werden, obwohl wir uns in diesem Erdenleben nie treffen würden. Obwohl das eine gewaltige Information war, glaube ich nicht, dass es den Recorder oder John damals stark besänftigte, aber sie führten treu meine Anordnungen aus und trafen sich manchmal, um die Kontinuität zu gewährleisten. Ich bin sicher, dass das gut war, obwohl es nicht zu einem offensichtlichen Resultat führte. Jetzt lernte ich den Sinn der vielen langweiligen Stunden verstehen, die ich unter Instruktionen verbrachte, um das automatische Schreiben zu erlernen, sitzend mit einem soweit wie möglich entleerten Sinn, um zu schreiben was auch immer kam. Es war so wenig, und was kam, war fast immer in Anweisungen, so dass es mich nicht interessierte. Nun schrieb ich oft Bruchstücke der LEHRE und die Protokolle zeigen, dass wir in dieser Zwischenzeit mehr erhielten als während dem zweiten Kreis. Die Lehrzeit war vorbei, und die Arbeit begann. Die Korrespondenz mit John war ein grosses Behagen für mich, da er mir mindestens einmal pro Woche schrieb, so dass er den Kreis durch diese drei Jahre hindurch wörtlich zusammenhielt.

     Im Juni ging ich zu Frau Cameron. Ich war sehr bedacht, meine erste Anstellung zu einem Erfolg zu machen, aber die Arbeit war sehr schwer und die Kälte im Winter intensiv. Ich stand um 6.15 auf und hatte nach dem Mittagessen eine Ruhepause von nur zwei Stunden. Dann ging die Arbeit weiter, bis das Abwaschen nach dem letzten Essen vorbei war, wonach ich zu müde war, um mehr zu tun, als eine halbe Stunde vor dem Feuer zu sitzen, bevor ich zu Bett ging. Frau Camerons Haushaltsmethode würde einem vollbeschäftigten Spital alle Ehre angetan haben. Hätte sie auf dem Türrahmen irgend eines Hauses Staub gefunden, würde sie diese Hausfrau als untüchtig erachten. Es war schade, dass sie eine solche Besessenheit hatte. Davon abgesehen konnte ich zufrieden sein, denn sie war freundlich, gütig und meinen Problemen gegenüber einfühlend und insistierte bei Besuchern über meine dortige Stellung als Freundin.

     Die McKenzie Country ist nicht verschieden vom hohen Grasland Südafrikas mit seinen weitreichenden Linien, mit den gelbbraunen Grasbüscheln, die zwischen den hageren Büschen die rote Erde hervorschauen liessen, aber hier gab es die zusätzliche Magie des dicken Schnees und den vereisten Bergen mit deren blauen und grünen Schatten. Ich liebte es. Es war typisch für die Freundlichkeit der Camerons, dass sie mir ihr Pferd zu reiten gaben, und an meinen freien Nachmittagen ritt ich aus. Auf einem der ersten dieser Ausritte hatte ich ein unvergessliches Erlebnis. Ich war zum Nachmittagstee zur benachbarten kleinen Schule hinübergeritten, wo ich so nette und interessante Leute angetroffen hatte, so dass ich den Besuch sehr genoss. Ich ritt in einem Zustand des Entzückens zurück und beobachtete die Landschaft unter den schräg einfallenden Sonnenstrahlen, als ich mir plötzlich gewahr wurde, dass ich wieder glücklich war, und in meiner Überraschung wandte ich mich instinktiv in Dankbarkeit an Azrael. Unmittelbar kam der antwortende Gedanke: "Ich werde immer eure Bürden tragen, wenn ihr in euren Sorgen zu mir kommt, aber es bedeutet mir sehr viel, auch eure Freuden zu teilen."

     Der unerwartete Besuch einer verheirateten Tochter und ihrer Familie, machte die Arbeit zu mehr als was ich meistern konnte. Ich teilte dreien meiner Freunde den genauen Stundenplan meiner Arbeitszeiten mit, ohne mich darüber zu beklagen. Deren Reaktionen waren sehr verschieden. Der erste gab zu, dass die Arbeit sehr mühselig sein müsse, aber riet mir auszuharren. Der zweite ermahnte mich die Stelle unverzüglich zu verlassen und keine weitere Woche unter solchen Bedingungen zu bleiben. Der dritte schlug vor, sobald wie möglich wegzugehen. Das war der Vorschlag von Ian Milne, dem Freund, den ich auf der Anreise kennenlernte, und der nun mit seiner Familie, welcher zwei kleine Töchter angehörten, im Stöcklein auf dem Land seiner Mutter lebte. Sie nahmen die Mahlzeiten im Haus der Mutter ein und verbrachten die meiste Zeit mit ihr. In diesem Brief informierte er mich, dass sie ein drittes Kind erwarteten, und dass seine Frau um meine Hilfe im Haushalt bis nach Weihnachten, an welcher das Kind geboren werden sollte, glücklich sein würde. Es tönte für mich himmlisch, und ein wenig später, als es für Frau Cameron passend war, ging ich zu ihnen.

     Es war so ein Kontrast zwischen diesen beiden Haushaltungen, dass es beinahe absurd erschien. Ich will nicht sagen, Ians Haus wäre vernachlässigt gewesen, obwohl ich sicher war, dass es dort Staub auf den Türrahmen hatte, aber ich musste nicht nachschauen, um zu kontrollieren. Die Camerons assen zum Beispiel pünktlich auf die Minute genau und wehe wenn jemand auch nur eine Minute zu spät war. Ihr Gespräch war, wie es in solchen isolierten Leben oft vorkommt, zu schicklich, um persönlich und detailliert zu sein, jedoch hatten sie, wie es mir vorkam, ein seltsames Interesse in den, von Zeitschriften ausgelesenen Angelegenheiten und kleinen Details der königlichen Familie. Wohingegen hier, beim allmählichen Auftauchen zum Frühstück, jeder zuerst flüchtig in die Zeitung schaute, sehr wahrscheinlich eine internationale Neuigkeit diskutierte, bis Ian sich davonmachte und seine mit ihnen lebende Schwester, davonraste, um in ihrer Schule zu unterrichten, während der Rest von uns, sich der Hausarbeit annahm.

     Obwohl es Frau Milnes Haus war, fühlte es sich für jeden der dort war, wie sein eigens Zuhause an. Denn die Mutter von Ian war so eingestellt, weise und liebenswert. Obwohl damals siebzig Jahre alt gewesen sein musste, war sie das natürliche Zentrum der Aufmerksamkeit, und die anderen waren zufrieden, dass es so war. Sie war glücklich und mit einer prompten Schlagfertigkeit, und dennoch kann ich sie immer noch vor meinen Augen sehen, wie sie alleine und still da sass, weinend über die Sorgen der Kinder in einem weniger begünstigten Land. Ein anderes Mal musste ich über ihre energisch ausgedrückte Empörung über eine Dummheit lachen, ihr Heiligenschein entschlüpfte ihr, und sie wirkte entzückend menschlich auch ohne diesen. Ich wünschte ich hätte mich anders verhalten, aber ich fühlte mich einsam und war das Unglücklichsein nicht gewohnt. Es brauchte einige härtere Schläge, in welchen ich lernte, meine Schatten nicht auf andere einwirken zu lassen. Ich fürchte der grösste Nutzen, den sie von mir hatten, war die Güte, die sie veranlasste mich zu ihnen zu bitten. Nach dem Neujahr ging ich nach Dunedin zurück, wo ich einige bezaubernde Freundschaften schloss. Susanne und ich mieteten zusammen eine Wohnung für neun Monate, während deren Besitzer nach England gingen. Somit ging das Leben weiter, höchstens unterbrochen von einigen wenigen Besuchen von John, bis sich eine neue Weihnacht näherte.

     Dann hatten Susanne und ich spannende Ferien. Wir besuchten den Homertunnel, der im Bau war. Als wir ankamen, logierten wir in einer der Hütten. Nach dem ersten Tag freundeten wir uns mit Tom an, der dort einer der Führer war. Das erwies sich als ein grosser Vorteil, indem er uns am dritten Tag auf eine Bergtour mitnahm, bei welcher wir den Gertrudsattel bestiegen und von welchem aus wir den Milfordsound übersehen konnten. Es war ein grauer Tag, und der Schnee schien unsichtbar mit den Wolken zu verschmelzen. Als wir oben standen, bemerkte ich, wie man von hier aus sicherlich vergnügt in die vor uns liegende, hole, zirka sechs Meter tiefe Schneemulde hinunterrutschen könnte. Tom antwortete "Ja sicherlich, wenn man dann aber nicht über den Rand hinausgleiten würde, wo es einige hundert Meter in die Tiefe ging."

     Am nächsten Tag hatten wir einen seltenen Tag, mit blauem Himmel und Sonnenschein. Tom musste zur Howden Hütte und schlug uns vor ihn zu begleiten, da es von dort aus einige schöne Touren zu machen gäbe. Die Howden Hütte liegt wundervoll plaziert am Ufer eines kleinen Sees. Wir gingen zum Blausee, der seinem Namen an jenem Tag Ehre antat. Dahinter erhob sich der mächtige Mount Christian. Am nächsten Tag, immer noch bei gutem Wetter, wanderten wir auf dem Höhenweg in der Nähe des Grates der einen Seite des Hollyford-Tals. Es war eine der schönsten Wanderungen, die ich jemals machen konnte. Manchmal führte der Weg über lange Strecken oranger Grasbüschel und Moos, am meisten wand er sich jedoch durch den Busch. Dieser fiel ab, weit nach unten ins Tal, wo der Hollyford-Fluss sich hin und her wand, ein weisser und silbriger Faden im Grunde des Tales. Auf der anderen Seite hob sich der Busch steil an, bis er in die schwarzen Felsen überging mit den blau beschatteten Schneegipfeln der Berge, die sich zackig gegen den Horizont abhoben. Diesem Weg entlang sah ich ebenso, zum ersten Mal, Bergblumen Neuseelands, die hier im Überfluss wuchsen. Diese sind beinahe alle weiss, aber wenn sie in Massen über einen kleinen Wasserfall fallen, oder in grossen Flecken das grobe Gras überwachsen, ist ihre Zartheit und Reinheit erstaunlich, im Gegensatz zum so wilden Hintergrund. Ich mag mich auch an ein Mutterwiesel erinnern, das unseren Weg überquerte. Ihr folgten sechs ulkige Wieseljunge. Das sind Dinge, die man nicht vergisst.


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