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KAPITEL  XV


NOCHMALS

Im November kehrte ich nach Longview zurück. Ich wusste nicht, dass ich in sechs Monaten eine ähnliche Erfahrung durchmachen musste, denn Johns Zusammenbruch war noch viel abrupter.

     Das Ende des Krieges bewirkte natürlicherweise viele Veränderungen. Margarete und Jean zogen, als ihre Männer zurückkamen, in ihr eigenes Zuhause zurück, und Pamela, die Jüngste, kam zurück nach Sandypoint, um den Haushalt ihres Vaters zu führen, aber im Januar musste auch sie weggehen, da sie heiratete. John konnte seine Praxis auf Ende Februar verkaufen, um sich zur Ruhe zu setzen. Ich versprach ihm, während diesem Monat nach ihm zu schauen.

     In der ersten Woche, in der Jean und der Pinsel auch dort lebten, war ich glücklich. Als sie gingen wurde es ruhig, aber sehr friedlich. Februar war dort immer ein heisser Monat, es gab sehr wenig zu tun, und John und ich fuhren mit dem Auto an einen kühlen, schattigen Ort am Fluss, wo wir das Mittagessen einnahmen. Dieser Friede wurde jäh durchbrochen, als er eines Tages mit einem temporären Verlust des Erinnerungsvermögens zusammenbrach. Er ging zu Margaretes Haus, aber es wurde vereinbart, dass er in ein nahe bei ihr liegendes Pflegeheim gebracht werden solle. Ich blieb für eine Weile bei ihnen, um zu helfen, dass immer jemand bei ihm sein konnte. Es war für ihn notwendig in einem Heim zu sein, aber es fiel ihm schwer, von seiner Familie weg zu sein. Selbst als er wieder nach Hause zurück kehrte, setzte ich meine Besuche bei ihm einmal in der Woche fort. Mit dem Verstreichen der Monate ging es mit ihm bergab, und gegen sein Ende blieb ich bei Margarete, um soviel zu helfen wie mir möglich war.

     Trotz seines Wissens, war John nicht zum Sterben bereit. Ich glaube, Männer hängen mehr am Leben als Frauen. Am Tag bevor er starb, sprach ich mit ihm über die Gedankenwelt. Er schien zu wünschen, dass ich es tue, und ich versuchte ihm eine Vorstellung zu geben, über das was er dort antreffen möge, damit er es als interessante Wirklichkeit aufnehmen kann. Für mich war es eine bedeutend erfreulichere Aussicht, als die Krankheitstage, die er ertragen musste. Dies bewirkte ein Lächeln, das jedoch in einem wehmütigen Blick verblich und mit einem Seufzer sagte er: "Ich wünschte, nicht ein solcher Angsthase zu sein."

     Jean, die nun auch bei uns war, und Ich waren beide am nächsten Tag im Heim, als er in ein Koma fiel. Ich sass bei ihm und hielt seine Hand. Es war nicht angenehm, aber ich hatte das Gefühl, helfen zu können. Die meiste Zeit fragte ich nur darum, dass er nun gehen dürfe. Ich wusste, dass die Schwester recht hatte, als sie mich bat zu bleiben, falls ich wolle, obwohl er nicht mehr bei Bewusstsein war. Vom physikalischen Standpunkt gesehen war mein Instinkt zu bleiben, richtig, was ich aber erst später durch die LEHRE erfuhr. Auf der geistigen Ebene blieb ich bei ihm, bis die Mutter übernehmen konnte. Das Sterben ist, wie ich gesagt habe, eine sehr einsame Erfahrung, und ich denke man sollte wissen, dass man eine Art Begleiter auf diesem Weg sein kann.

     Als ich nach Hause zurückkehrte, setzte eine natürliche Reaktion ein, und das Leben war für eine Zeit lang sehr düster. Es gab keinen Ort in dieser ganzen Bucht, der nicht Erinnerungen an seine Freundschaft hervorrief, und an Freitagen war es traurig, dass sein Auto nicht zu hören war. Für eine kleine Zeitspanne spielte es keine Rolle, ob die Sonne schien oder nicht. Für eine Zeit verschwanden die Schönheiten und das war das Schwerste an allem.

     Dann, als die Jahre vergingen, glitt ich in meinen gegenwärtigen, friedlichen Daseinszustand hinein. Nach einer Weile startete der Kreis erneut, und in den folgenden Jahren erhielten wir das Wissen über den interessantesten Teil der LEHRE. Es war der Teil, den ich zu bringen vermochte, da ich das Erreichen der Dunkelheit erfüllt hatte.

     Leute scheinen die seltsame Idee zu haben, dass alleinstehende Menschen haufenweise Freizeit hätten. Ich frage mich manchmal, wie es sein würde, die Möglichkeit zu haben, sich zu setzen und zu denken: "Was soll ich tun?" anstelle von "Was soll ich als nächstes tun?" Ein Garten ist sehr arbeitsintensiv und Hausarbeit zu verrichten braucht für eine Person fast soviel Zeit wie für zwei. Während Jahren musste ich zwei Stunden pro Tag für das Schreiben freihalten, und an nassen Tagen, an welchen keine Gartenarbeiten erledigt werden können, widme ich mich dem Nähen und den Hausunterhaltsarbeiten. Ich habe mir angewöhnt während dem Essen zu lesen, falls ich alleine bin, und nach dem Nachtessen kann sich das weit in den Abend hineinziehen. Ich liebe es, eine Stunde nach Sonnenaufgang aufzustehen, und ignoriere die Tatsache, dass sie sich manchmal vor sechs Uhr erhebt.

     Nun habe ich mir angewöhnt eine Uhr mit mir herum zu tragen, und sie so zu plazieren, dass sie mir in die Augen springt, damit die einer Arbeit zugeordnete Dauer, nicht in die nächste ausgedehnt wird. Jede Stunde ausgefüllt zu haben, bewirkt ein sehr schnelles Entschwinden der Zeit. Die Wochen flitzen nur so vorbei, und ich habe kaum bemerkt, dass der Frühling gegangen ist, da ist der Sommer schon wieder vorbei, und der Herbst steht vor der Tür. Ich ziehe es vor, von Mitte August an, wenn die einzelnen Glockenblumen und der Pflaumenblust blühen, bis nach Weihnachten zu Hause zu bleiben, da sich in dieser Zeit die Gartenarbeit bezahlt macht, durch Primeln, Freesien, Hyazinthen, Anemonen, Holzäpfeln und Glyzinien, mit Narzissen im Gras, eine der andern folgend. Am Morgen zuerst in den Garten zu stürmen ist immer aufregend. Bald füllen die Iris die Lücke zwischen den Frühlingsblumen, den Rosen und den Delfinien des Sommers. In diesen Monaten von zu Hause weg zu sein, würde bedeuten, etwas zu verpassen, das mit Mühe und Arbeit erreicht wurde.

     Nach Weihnachten, wenn die Enkelkinder wieder zur Schule müssen, fliehe ich vor der Hitze und begebe mich entweder an einen Bergsee oder die Küste hinunter gegen Süden, wo es kühler ist. Diese Plätze sind nach den Schulferien verlassen und wieder friedlich. Anfangs Herbst kehre ich wieder nach Hause zurück, denn dann sind die herrlichsten aller Tage, kühl in der Nacht, aber die Tage immer noch warm und oft windstill, und das Meer ist silbern blau. Dann ist es Zeit, den Garten für das nächste Jahr zu entwerfen. Nachher kommen die kalten, nassen Tage des Juni und Juli, in denen ich den Diskussionen der Kinder zuhöre und für ausgedehnte Wochen nach Plymouth gehe. So vergehen die Jahre ruhig, arbeitsreich und glücklich in dieser Abgelegenheit, in der es mir zugestanden wurde, erneut ein Zuschauer des Lebens zu sein, und ich denke, das kann das Ende der Beschreibung meines persönlichen Lebens sein.

     Es scheint, dass ich liebevoller über Plätze als über Leute geschrieben habe, aber ich denke, in diesem Leben spielten für mich Plätze eine wichtigere Rolle, als Leute. Es gibt Blumenplätze in England, unsere magische Insel in Afrika und Teile der offenen Küste hier, die genauso ein Teil von mir sind, wie meine Mutter und mein Vater. Vielleicht hat die Tatsache, dass ich zweimal verpflanzt worden bin und neue Beziehungen anknüpfen musste, etwas damit zu tun, aber, um ehrlich zu sein, ich denke, dass die Ursache tiefer liegt. Ich denke, dass ich auf dem Weg des Dienens rückständig bin. So wenige Leute, die ich getroffen habe 'sehen' mit der Sicht, die ich gebrauche und die Unversöhnlichkeit ihrer Überzeugung ist so verletzend, dass man sich einsam fühlt. Es ist viel einfacher, ein freundliches, oberflächliches Gesicht im Vordergrund aufzusetzen, als genügend Verständnis aufzubringen, um den Kontakt auf einer tieferen Schicht zu erlangen. Schliesslich bin ich ein Kind der Wahrheit und in diesem Leben auf einem Lebensplan der Wahrheit. So wurde vielleicht von mir nicht viel mehr verlangt, als die LEHRE zu übermitteln. Aber ich fürchte, dass ich selbst das nicht erreicht habe. Ich weiss, dass noch ein weiter Weg vor mir liegt und ich viel zu lernen habe, bevor erwachsene Personen in mir die gleichen Gefühle auslösen wie Kinder, Tiere oder Orte.

Foto 4 : Kath in ihren reiferen Jahren in Neuseeland.


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